"Halt's Maul, Vernunft!"

17. Mai 2016

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, in letzter Zeit bin ich irgendwie beschäftigt. Mit Leben. Na gut...und mit Arbeiten. Und zwischen Leben und Arbeiten quetscht sich das schöne Gefühl, nix zu müssen. Ein Gefühl, das ich ehrlich gesagt kaum noch kannte.



In den letzten 2 Jahren hatte ich immer ein "Eigentlich müsstest Du jetzt..."-Teufelchen im Nacken sitzen, das mir Tag für Tag ein schlechtes Gewissen eingeredet hat, weil ich mich in Punkto Selbständigkeit viel zu wenig um dies und erst recht zu wenig um das gekümmert haben könnte. Und wenn ständig über einem so ein sprechendes Damoklesschwert schwebt, das "Streng Dich mehr an! Streng Dich nooooch mehr an!" unkt, dann klappt das mit der Entspannung auf Dauer nur schlecht rein gar nicht.

Deshalb freu ich mich momentan einfach Tag für Tag darüber, dass ich der Selbständigkeit den Laufpass gegeben habe und im Feierabend und an freien Tagen tun und lassen kann was ich will...ganz ohne Teufelchen und Damoklesschwert. Haaaaach...voll toll!



Aber nu ma Butter beie Fische: Dieser Haaaaaach-Zustand führt auch dazu, dass ich momentan viel weniger Lust habe, hier überhaupt mal in die Tasten zu hauen. Allerdings hab ich beschlossen, diesem Umstand mit "Egal, Karl!" zu begegnen. Dann ist das zur Zeit eben so.

Ich habe diesen Blog 2011 gestartet und feiere in diesem Monat meine erste halbe heimatPOTTential-Dekade. Und ich sage mir einfach, dass es völlig okay ist, hier auch mal weniger zu powern bzw. nicht ständig überall online präsent zu sein. Irgendwann wird in Sachen Blog eh Schicht in Schacht sein, weil eben alles ein Ende hat und ich, spätestens wenn ich das Seniorenalter erreicht habe, vielleicht auch einfach mal die Schnüss voll habe. Aber noch isset nicht so weit. Ich hab die Schnüss nicht voll, aber momentan freu ich mich einfach über meine neuen Freiheiten ("Feierabend is Feierabend!") als 08/15-Arbeitnehmerin und hab Spaß an meinem Leben. Das bedeutet mir grad viel mehr, als mich ständig hinter den PC zu klemmen.

Statt dessen fahre ich zum Beispiel viel lieber zwischen meinen Schichtdiensten mitten am Tag nach Amsterdam, auch wenn es viel schlauer gewesen wäre, schon früh am Morgen loszudüsen.



Aber pffffff....schlau?! Spaß inne Backen is viel wichtiger! Und den hatten Heidi, Lenny (mein Patenkind) und ich allemal...frei nach dem Motto: "Bisskn knapp midde Zeit?! Egal! TROTZDEM MACHEN!" - und ganz manchmal wird man für "trotzdem machen" sogar belohnt. Für mich hat sich nämlich an dem Tag in Holland ganz unerwartet ein Traum erfüllt:

Ich habe eine Eule gestreichelt! EINE EULE! Nun müsst Ihr wissen, dass ich Eulen fast so toll finde wie Äffchen...und DAS will was heißen.



Natürlich stand die Eule nicht einfach so irgendwo am Straßenrand rum, hat mir einen Handschuh gereicht und "Nimm mich hoch, nimm mich hoch!" gezwitschert. Nene. So war das nicht. Sondern so: Da standen ein paar Leute mit Eulen rum...und mit nem Schild, auf dem stand, dass man sich für 2,50€ mit den Eulen fotografieren (lassen) könnte. Und da die Eulen allesamt glücklicher aussahen als ALLE Eulen, die ich jemals in irgendwelchen Zoos oder Parkvolieren gesehen habe, dachte ich mir: Grenzt nicht an Tierquälerei...kannste machen! Und dann habbichet gemacht.

WAR DAS TOLL! Ja, während ich das tippe, verwandeln sich meine Pupillen ins Herzchen und mir tanzen kleine Sternchen um die Birne. SO toll war das! Ihr haltet mich jetzt wahrscheinlich für völlig bekloppt noch bekloppter, aber diese Eule - ihr werter Name lautet Lex - hatte etwas dermaßen Beruhigendes an sich, dass ich es kaum beschreiben kann. Jedenfalls bin ich von dieser Eulenaura auch Tage später noch schwer beeindruckt. Und weich war se...und ganz, ganz entspannt. Ich durfte sogar richtig anbucken...und ei machen. HACH!



Mir tun Eulen immer so leid...hinter irgendwelchen Gitterstäben...mit traurigem Blick. Aber Lex hatte echt ne ganz andere Ausstrahlung. Das war schön zu sehen, denn ehrlich gesagt hatte ich gedacht, dass ALLE Eulen grundsätzlich immer sehr, sehr traurig wirken. Is aber zum Glück nicht so!

Jaja, ich könnt jetzt wer weiß was über Amsterdam schreiben...geht in den und den Käseladen, esst da  und dort unbedingt den und den Bagel, bei XY müsst Ihr dringend shoppen gehen und bei dem und dem Friseur kann man tollen Schmuck und noch tollere Sonnenbrillen kaufen. Aber wisst Ihr was?! ICH finde, in Amsterdam sollte man sich einfach treiben lassen. So bald man das Hardcore-Touri-Viertel verlassen hat, ist eh ALLES schön und lecker...da strengen konkrete Tipps meiner Meinung nach nur an und lenken vom Treibenlassen ab. Meiner Meinung nach kann man in Amsterdam gut durch ein paar schöne Geschäfte bummeln, aber dann sollte man die Shoppingwelt links liegen lassen und einfach die Grachten entlang stromern, Hausboote anschmachten, den vielen, vielen Radfahrern ausweichen, die wunderschönen Hausfassaden bewundern und irgendwo mit nem schönen Ausblick aufs Getümmel was Leckeres essen und trinken. Feddich.



Naja. Feddich wäre in unserem Fall gelogen, denn gegen Abend bekam wir es noch in den Kopp, dass wir ja auch noch ans Meer fahren könnten...wenn man schomma direkt umme Ecke is, ne?! Die Vernunft sprach "Ach komm, lass gut sein. Guck mal auffe Uhr! Das wird voll knapp. Der Stress lohnt nicht."

Aber das Herz brüllte: "Halt's Maul, Vernunft. Fürs Meer isset NIE zu spät!" - und meine Güte...wie klug so'n Herzkn manchmal sein kann!



Dort am Meer hatte ich vor allem einen Gedanken: Es ist so verdammt wichtig, manche Dinge einfach TROTZDEM zu machen. Trotz knapper Zeit, trotz viel Fahrerei, trotz dies, trotz das. Denn alles, was dem Herzen gut tut, lohnt sich...wenn es auch nur für einen kurzen Moment ist. (Herrje, ich klinge schon wieder wie ein uralter Erklärbar...)





Liebe Heidi, danke, dass Du diesen Tag so spontan mit mir durchgezogen und ihn somit zum bisher schönsten Tag des Jahres gemacht hast! Das nächste Mal fahren wir dann spontan in die Provence, ja?!

Übrigens plane ich für dieses Jahr wirklich mal einen RICHTIGEN Urlaub ein. DAS hab ich nämlich EWIG nicht gemacht. Und allein schon der Gedanke daran macht mich ganz hibbelig...soooo viele Möglichkeiten...da wird man ja bekloppt von! Aber schön-bekloppt!


Merke: Trotzdem machen ist watt Feines!





Die Steppe des Ruhrgebiets und ein Reimemonster

25. April 2016

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, seit etwa 6 Wochen bin ich ja nun wieder an der Sozpäd-Front tätig und offen gestanden stellt diese Tatsache mein Leben der letzten 2,5 Jahre ganz schön auf den Kopf. Das ist gewollt und deshalb gut so, aber ich sach mal so: einfach is anders, denn da muss man sich ja erst mal wieder richtig reinfriemeln...in so einen neuen Alltag. Da muss man sich die eine oder andere Gewohnheit der letzten Jahre erst mal anständig aus den Rippen und dem Hirnchen schneiden, damit alles wieder fluppt wie et soll. Jedenfalls hat mich genau dieser Prozess in den vergangenen Wochen viel mehr angestrengt als ich selbst erwartet hätte. Alles hat gezwickt und gezwackt und der Kopf war ständig so randvoll mit neuen Eindrücken, dass ich abends nach der Arbeit nur noch lullerig in meinen eigenen 4 Wänden rumhocken wollte, ohne mir auch noch einen Kopf ums Bloggen machen zu müssen. Deshalb war hier also erst mal Ebbe angesagt.

So. Aber jetzt hab ich langsam lang genug rumgelullert. Mein neuer Alltag zwickt und zwackt mit jedem Tag ein bisskn weniger und auch die Lust aufs Bloggen schleicht sich allmählich wieder ein. Und deshalb nehme ich Euch heute mit in die Wüste. Naja...nicht übertreiben...sagen wir so: Ich nehme Euch mit in die Steppe!

Jawoll. Das Ruhrgebiet hat seine eigene Steppe. Und zwar gleich umme Ecke vom Ruhrpott-Meer, von dem ich Euch schon vor ein paar Wochen erzählt hatte. Soll heißen: In Haltern am See gibbet nicht nur ein Meer, sondern auch eine Steppe...ein höchst beachtlicher Umstand, wenn Ihr mich fragt! Haltern hat's echt voll drauf...


Die Rede ist von der Westruper Heide - einer 90 Hektar großen Heidelandschaft, die seit 1937 unter Naturschutz steht und dem pottschen Betrachter ein erfrischend ungewohntes Landschaftsbild vermittelt, denn auch wenn das Ruhrgebiet viel grüner und bewaldeter ist als manch Ahnungsloser von außerhalb zu glauben meint, so ist eine Heidelandschaft selbst für Kenner der hiesigen Ruhrgebietsflora doch mal etwas gaaaanz Anderes.


Und genau aus diesem Grund bin ich dort im schönsten Sonnenuntergang auch rumgesprungen wie ein junges (naja?!) Reh. Hoppel hier, hoppel da...und den Finger ununterbrochen auf dem Kameraauslöser. Nun sind die Bilder, die an dem Abend entstanden sind, schon einige Wochen alt und dokumentieren somit nicht den aktuellsten Frühlingsstand der Dinge, aber so wie ich die Westruper Heide erlebt habe, würde ich ihr eine "zarte Kargheit" bescheinigen. Und genau dieser Kontrast macht dieses Landschaftsgebiet meiner Meinung nach zu etwas Besonderem. Tja...und die Abendsonne setzt den Dünen, Gräsern, Büschen und Bäumen wirklich wunderschöne Lichtspielkönchen auf. So strahlt der Baum, den Ihr oberhalb seht, TATSÄCHLICH in feurigem Rot...und NEIN, ich hab da nicht an den Farben herumgespielt...echt nicht!


Das Vestische Umweltzentrum hat in der Westruper Heide übrigens vier thematische Wanderrouten angelegt, so dass man entlang farblich unterschiedlich gekennzeichneter Schilder auch themenspezifisch (Bienen, Dünen, Naturerlebnis, Heide/Wald) wandern und das Gebiet somit sogar mehrmals neu bzw. anders erkunden kann.


Zwar schlängeln sich die Routen kreuz- und quer durch die Heide, aber eine barrierefreie Route ist in Arbeit, so dass man dort auch künftig mit einem Kinderwagen oder einem Rollator gut unterwegs sein kann.


Ich könnte Euch jetzt wer weiß was erzählen, was ich mir im Nachhinein alles über die Westruper Heide angelesen habe. Welche Tiere wohnen dort? Was wächst und gedeiht? Welche Geschichte steckt hinter diesem Naturschutzgebiet? All sowas eben. Aber ganz ehrlich: Eigentlich möchte ich Euch viel lieber nur die schönen Bilder zeigen, die ich an dem Abend eingefangen habe, und Euch sagen, dass Ihr mal nach Haltern am See fahren sollt. Erst ein Ründchen am pottschen Meer drehen oder den Wildpark Granat erkunden und dann gegen Abend ab inne Steppe, um dort den Sonnenuntergang, das schöne Licht und das Rascheln der Gräser zu genießen.


Turnt ein bisskn rum, nehmt die Flora unter Eure Lupe, pflanzt Euch auf eine der vielen Bänke am Wegesrand, genießt die Ruhe und lasst einfach mal die Kontraste wirken. Vielleicht packt Ihr Euch auch ein kleines Picknick ein, mit dem Ihr den Tag dort stimmungsvoll beschließt...mit nem lecker Weinchen...hach...während ich das so tippe, möchte ich mir am liebsten selbst sofort ein Päckchen schnüren und wieder hinfahren...


Ich hoffe jedenfalls, dass die Bilder einigermaßen wiedergeben können, was ich mit "zarter Kargheit" meine?! Gräser und Nadeln, Knospen und Sand, Zapfen und Moos...rau und weich zugleich...herrje...ein Reimemonster!


So. Sollte Euch also die Ausflugswut packen, dann ist Haltern WIRKLICH einen Besuch wert. Dafür stehe ich mit meinem Namen! (Diesen Nachsatz bitte im Kopf mit höchst seriöser, bedeutungsschwangerer Betonung unterlegen.)


Zarte Kargheit hin oder her...ich hoffe, dass ich hier beim nächsten Mal mit deutlich mehr Frühlingsbildern umme Ecke kommen kann, denn auch in diesem Jahr bin ich theoretisch an der Kirschblütenspamfront ganz vorne mit dabei...was man aber bisher nur auf Instagram oder Snapchat mitbekommt. Das gehört ganz bald geändert. Nicht dass noch jemand denkt, dass mich das ganze Frühlingsgedöns kalt lassen würde, ne?!

In diesem Sinne schöne Grüße und - ach so - drüben beim Ruhr Tourismus gebe ich in diesem Monat ein paar Eisdielenempfehlungen...lecker Eis hat schließlich noch keinem geschadet.

Merke: Meine liebsteliebsteliebste Eissorte gibbet bei Kemmerling auf der
Essener Rü -> Pfirsich-Käsekuchen-Eis. Soooooo super!


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