Die Sache mit der Lebensfreude

29. Mai 2016

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, in letzter Zeit werde ich ziemlich häufig gefragt wie ich das denn mache. DAS mit der Lebensfreude. Hm. Nun ist es ja nicht so, als ob mir ständig die Sonne ausm Popo scheinen würde. Ich gehöre nämlich definitiv nicht zu diesen immer strahlenden Happy-Hippo-Menschen, die in einer Tour "Das Leben ist schön!" säuseln würden. Denn ganz häufig isset nämlich auch so gar nicht schön, sondern sogar ne relativ garstige Angelegenheit - zumindest in meiner alltäglichen Umlaufbahn.


Deshalb würde ich mich auch selbst nie als Lebensfreude-Bombe beschreiben. Ich hab einfach nur Humor. Und vor ein paar Wochen ist mir ein passendes Lied untergekommen. In diesem Lied heißt es:
"Denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und das hab ich bis jetzt ganz gut gemacht." 
Ich glaube, das ist das Geheimnis. Das Leben, sich selbst und die eigenen Doofi-Gedanken mit Humor zu nehmen. Das geht vielleicht nicht immer und sofort, aber mal ehrlich: Wie oft kann man im Nachgang über mittelschwere Katastrophen und sich selbst wunderbar lachen?! Eben! Ziemlich oft! Und genau daran muss man meiner Meinung nach immer mal wieder zwischendurch denken. Dann flutscht das mit dem Alltag schon bedeutend besser.

Aber es gibt noch einen anderen Trick, mit dem ich für mich selbst seit Jahren wirklich gut fahre. Ich suche bzw. schaffe mir einfach selbst einen Grund zum Lachen.


Kann man sich jetzt nicht wirklich was drunter vorstellen, ne?! Nein, ich kaufe mir kein Witzekistenbuch und lache mich dann scheckig oder so. Ich mache nur gerne irgendwelche "Sachen", die so bekloppt sind, dass ich einfach drüber lachen muss. Über die Sache an sich, über mich, über die Blicke der Leute oder auch darüber, dass viele Menschen, die dann an mir vorbeilaufen, einfach mitlachen. Ja, ernsthaft! Ich vertue mich da nicht! Die lachen mich nicht aus, die lachen mit!
Weil Freude ansteckend ist und weil sich doch irgendwie jeder - wenn auch nur kurz - ein bisskn darüber freut, wenn ihm im Alltag etwas Beklopptes, Lustiges oder Schräges begegnet. Sowas tut den Augen gut. Und dem Herzkn irgendwie auch.


Also. Ein Beispiel: Vor ein paar Wochen wollten Julius und ich bei schönstem Wetterchen zum Halterner Stausee fahren, um uns dort ein Treetboot zu mieten. Hamwa auch gemacht. Aber 10 Millionen andere Menschen auch. Vor uns also eine fette Schlange und viel zu viele Menschen im Wartebereich. Tja. Nun hätten wir dort grummelig sitzen können: "Warten. Warten ist scheiße. Viel zu warm heute. Unbequeme Bank. Boah, wie lange dauert das denn noch? Langsam kriege ich Hunger. Mah, wieso sind denn so viele Leute hier? Wieso sind die so laut? Mahhhhh, wie lange noooooch?!" ...all sowas eben. ABER wir hatten Flamingo-Ingo dabei! Denn Flamingo-Ingo, der eigentlich bei Julius im Wohnzimmer wohnt und auf einen Urlaub auf Teneriffa wartet, sollte schließlich auch etwas von diesem schönen Tag haben und mal etwas Wasser unterm Poppes spüren dürfen.


So. Nun stellt Euch das ganz genau vor: Ihr sitzt da irgendwo rum und habt einen überdimensionalen Flamingo-Ingo dabei. Das ist bekloppt. Das ist so bekloppt, dass man da selbst drüber lachen muss. Und das ist so bekloppt, dass jeder gucken muss...Blick auf Ingo, Blick auf uns, Blick auf Ingo...und DANN kommt der Knackpunkt: Wenn man dann lacht, lachen die Leute mit. Weil sie sich unbewusst ein bisskn mitfreuen, einfach weil da zwei Leute sitzen, die grad Spaß mit nem Riesenflamingo haben.

Wir freuen uns also über Ingo, die Leute freuen sich über uns und wir freuen uns dann wieder darüber, dass die Leute sich freuen. Und plötzlich sitzt man irgendwo an nem See, muss stundenlang warten, warten, warten und hat trotzdem Spaß. Und aufm Wasser hat man erst recht Spaß...ja, auch der Julius, auch wenn man es ihm hier auf dem Foto nicht allzu sehr ansieht...


Na gut, ganz manchmal funktioniert das auch nicht. Dann guckt irgendwer doof, man lacht zurück und dann wird weiter doof geguckt oder mit den Augen gerollt. Das ist aber gar nicht schlimm! Das ist ein "Doofe-Leute-Filter", denn ich glaube ganz, ganz fest daran: Gute Leute lachen zurück, doofe Leute nicht. Aber das ist dann blöd für die doofen Leute, nicht für mich. Ich hab ja Spaß. Und die nicht. Ganz einfache Kiste.

Also: Lebenfreude habe ich wirklich nicht per se gepachtet. Sondern einfach nur reichlich (Galgen-)Humor und den Mut zum bekloppte-Sachen-machen. Und DAS ist wiederum ein echter Lebensfreude-Booster.
Anderes Beispiel: Vor ein paar Monaten war ich abends anner Tanke. Und ich hatte eine bekloppte Idee. Fragt nicht. War einfach so. Und zwar so: Ich wollte mit meiner Hasenmaske aufm Kopp was zu trinken kaufen und mich selbst dabei filmen. Wie gesagt: fragt einfach nicht! Also bin ich da reinmarschiert und habe den Mann an der Kasse gefragt, ob er etwas dagegen hätte. Er hat gelacht und "Nö. Mach ma!" gerufen. Also ich wieder raus, Hasenmaske ausm Auto geholt, aufn Kopp gesetzt und wieder rein in die Tanke. Völlig unabgesprochen begrüßt mich der Tankstellenmann in hochseriöser Stimmlage mit "Guten Abend, Frau Hase!"...und ich muss mich sehr anstrengen, unter meiner Maske nicht sofort laut loszulachen. Zusammengerissen und ab an den Kühlschrank, Getränk gegriffen und die Kasse angepeilt. Und dann bin ich mit vollster Wucht vor einen Hochtisch gerannt, den ich durch die kleinen Maskenschlitze nicht gesehen hatte. Lachtränenanfall hoch 10. Ich UND der Tankstellenmann.


Irgendwann hatten wir uns beruhigt, ich konnte zahlen und weiterfahren.

Seitdem freut sich der Tankstellenmann wie Oberbolle, wenn wir uns mal wieder in seinem Tankstellenhäuschen treffen. Er ruft dann ein ums andere Mal: "Frau HAAAASE!" und breitet seine Arme aus. Wenn andere Kunden im Laden sind, erzählt er ihnen von meiner Hasen-Hochtisch-Nummer und es endet immer damit, dass alle sehr, sehr herzlich lachen. Und schon 3x wurde ich gefragt, ob man mal ganz kurz meine Hasenmaske (die ich immer im Auto dabei habe) leihen dürfe, um damit auch mal eben ein bisskn Spökes zu machen.

So. Natürlich ist es total Banane mit ner Hasenmaske in ner Tanke rumzurennen. Aber wisst Ihr was?!
Es macht glücklich, weil die Freude darüber aus einer inneren Freiheit resultiert, die auch Andere ansteckt. Das Leben ist doch so schon oft hart, fies und traurig genug. Und ich glaube wirklich ganz, ganz fest daran, dass man sich einfach ab und an selbst etwas zu lachen geben muss, wenn man lachen will. 
Denn irgendwie isset doch so: So lange man noch lachen kann, kann datt Leben doch gar nicht sooooo schlimm sein, oder?! Und alles, was es dafür braucht, ist manchmal einfach nur ein bisskn Mut.


Und na klar, ganz vielleicht gucken mich ab und an auch ein paar Leute an und denken "Wie kann sie nur?!", aber das sind dann in meinen Augen halt einfach nur die Menschen ohne Humor. Die tun mir dann immer ein bisskn leid, denn mit Humor lebt es sich einfach deutlich schöner. Man darf sich selbst nur nicht immer so ernst nehmen...und die Anderen (Miesepeter) auch nicht.

So. Und jetzt gleich geht es mit Julius und Maik zum Food Lovers Market auf Zeche Zollverein. Mal gucken welchen Schabernack wir dort treiben werden...

Merke: Angst lernt man. Mut aber auch.

"Halt's Maul, Vernunft!"

17. Mai 2016

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, in letzter Zeit bin ich irgendwie beschäftigt. Mit Leben. Na gut...und mit Arbeiten. Und zwischen Leben und Arbeiten quetscht sich das schöne Gefühl, nix zu müssen. Ein Gefühl, das ich ehrlich gesagt kaum noch kannte.



In den letzten 2 Jahren hatte ich immer ein "Eigentlich müsstest Du jetzt..."-Teufelchen im Nacken sitzen, das mir Tag für Tag ein schlechtes Gewissen eingeredet hat, weil ich mich in Punkto Selbständigkeit viel zu wenig um dies und erst recht zu wenig um das gekümmert haben könnte. Und wenn ständig über einem so ein sprechendes Damoklesschwert schwebt, das "Streng Dich mehr an! Streng Dich nooooch mehr an!" unkt, dann klappt das mit der Entspannung auf Dauer nur schlecht rein gar nicht.

Deshalb freu ich mich momentan einfach Tag für Tag darüber, dass ich der Selbständigkeit den Laufpass gegeben habe und im Feierabend und an freien Tagen tun und lassen kann was ich will...ganz ohne Teufelchen und Damoklesschwert. Haaaaach...voll toll!



Aber nu ma Butter beie Fische: Dieser Haaaaaach-Zustand führt auch dazu, dass ich momentan viel weniger Lust habe, hier überhaupt mal in die Tasten zu hauen. Allerdings hab ich beschlossen, diesem Umstand mit "Egal, Karl!" zu begegnen. Dann ist das zur Zeit eben so.

Ich habe diesen Blog 2011 gestartet und feiere in diesem Monat meine erste halbe heimatPOTTential-Dekade. Und ich sage mir einfach, dass es völlig okay ist, hier auch mal weniger zu powern bzw. nicht ständig überall online präsent zu sein. Irgendwann wird in Sachen Blog eh Schicht in Schacht sein, weil eben alles ein Ende hat und ich, spätestens wenn ich das Seniorenalter erreicht habe, vielleicht auch einfach mal die Schnüss voll habe. Aber noch isset nicht so weit. Ich hab die Schnüss nicht voll, aber momentan freu ich mich einfach über meine neuen Freiheiten ("Feierabend is Feierabend!") als 08/15-Arbeitnehmerin und hab Spaß an meinem Leben. Das bedeutet mir grad viel mehr, als mich ständig hinter den PC zu klemmen.

Statt dessen fahre ich zum Beispiel viel lieber zwischen meinen Schichtdiensten mitten am Tag nach Amsterdam, auch wenn es viel schlauer gewesen wäre, schon früh am Morgen loszudüsen.



Aber pffffff....schlau?! Spaß inne Backen is viel wichtiger! Und den hatten Heidi, Lenny (mein Patenkind) und ich allemal...frei nach dem Motto: "Bisskn knapp midde Zeit?! Egal! TROTZDEM MACHEN!" - und ganz manchmal wird man für "trotzdem machen" sogar belohnt. Für mich hat sich nämlich an dem Tag in Holland ganz unerwartet ein Traum erfüllt:

Ich habe eine Eule gestreichelt! EINE EULE! Nun müsst Ihr wissen, dass ich Eulen fast so toll finde wie Äffchen...und DAS will was heißen.



Natürlich stand die Eule nicht einfach so irgendwo am Straßenrand rum, hat mir einen Handschuh gereicht und "Nimm mich hoch, nimm mich hoch!" gezwitschert. Nene. So war das nicht. Sondern so: Da standen ein paar Leute mit Eulen rum...und mit nem Schild, auf dem stand, dass man sich für 2,50€ mit den Eulen fotografieren (lassen) könnte. Und da die Eulen allesamt glücklicher aussahen als ALLE Eulen, die ich jemals in irgendwelchen Zoos oder Parkvolieren gesehen habe, dachte ich mir: Grenzt nicht an Tierquälerei...kannste machen! Und dann habbichet gemacht.

WAR DAS TOLL! Ja, während ich das tippe, verwandeln sich meine Pupillen ins Herzchen und mir tanzen kleine Sternchen um die Birne. SO toll war das! Ihr haltet mich jetzt wahrscheinlich für völlig bekloppt noch bekloppter, aber diese Eule - ihr werter Name lautet Lex - hatte etwas dermaßen Beruhigendes an sich, dass ich es kaum beschreiben kann. Jedenfalls bin ich von dieser Eulenaura auch Tage später noch schwer beeindruckt. Und weich war se...und ganz, ganz entspannt. Ich durfte sogar richtig anbucken...und ei machen. HACH!



Mir tun Eulen immer so leid...hinter irgendwelchen Gitterstäben...mit traurigem Blick. Aber Lex hatte echt ne ganz andere Ausstrahlung. Das war schön zu sehen, denn ehrlich gesagt hatte ich gedacht, dass ALLE Eulen grundsätzlich immer sehr, sehr traurig wirken. Is aber zum Glück nicht so!

Jaja, ich könnt jetzt wer weiß was über Amsterdam schreiben...geht in den und den Käseladen, esst da  und dort unbedingt den und den Bagel, bei XY müsst Ihr dringend shoppen gehen und bei dem und dem Friseur kann man tollen Schmuck und noch tollere Sonnenbrillen kaufen. Aber wisst Ihr was?! ICH finde, in Amsterdam sollte man sich einfach treiben lassen. So bald man das Hardcore-Touri-Viertel verlassen hat, ist eh ALLES schön und lecker...da strengen konkrete Tipps meiner Meinung nach nur an und lenken vom Treibenlassen ab. Meiner Meinung nach kann man in Amsterdam gut durch ein paar schöne Geschäfte bummeln, aber dann sollte man die Shoppingwelt links liegen lassen und einfach die Grachten entlang stromern, Hausboote anschmachten, den vielen, vielen Radfahrern ausweichen, die wunderschönen Hausfassaden bewundern und irgendwo mit nem schönen Ausblick aufs Getümmel was Leckeres essen und trinken. Feddich.



Naja. Feddich wäre in unserem Fall gelogen, denn gegen Abend bekam wir es noch in den Kopp, dass wir ja auch noch ans Meer fahren könnten...wenn man schomma direkt umme Ecke is, ne?! Die Vernunft sprach "Ach komm, lass gut sein. Guck mal auffe Uhr! Das wird voll knapp. Der Stress lohnt nicht."

Aber das Herz brüllte: "Halt's Maul, Vernunft. Fürs Meer isset NIE zu spät!" - und meine Güte...wie klug so'n Herzkn manchmal sein kann!



Dort am Meer hatte ich vor allem einen Gedanken: Es ist so verdammt wichtig, manche Dinge einfach TROTZDEM zu machen. Trotz knapper Zeit, trotz viel Fahrerei, trotz dies, trotz das. Denn alles, was dem Herzen gut tut, lohnt sich...wenn es auch nur für einen kurzen Moment ist. (Herrje, ich klinge schon wieder wie ein uralter Erklärbar...)





Liebe Heidi, danke, dass Du diesen Tag so spontan mit mir durchgezogen und ihn somit zum bisher schönsten Tag des Jahres gemacht hast! Das nächste Mal fahren wir dann spontan in die Provence, ja?!

Übrigens plane ich für dieses Jahr wirklich mal einen RICHTIGEN Urlaub ein. DAS hab ich nämlich EWIG nicht gemacht. Und allein schon der Gedanke daran macht mich ganz hibbelig...soooo viele Möglichkeiten...da wird man ja bekloppt von! Aber schön-bekloppt!


Merke: Trotzdem machen ist watt Feines!





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